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Bus-Fahrt nach Güstrow am 11.05. 2011

Die Tabelle unserer Reiseziele seit 2002 zeigt, dass wir mit dem Bus bisher noch nie hoch im Norden waren:

Jahr Bus-Fahrt PKW-Fahrt
2002 Helfta (bei Eisleben) Fürstenwalde / Rauen
2003 Bautzen Wustrau / Neuruppin
2004 Rosenthal (Oberlausitz) St. Albertus ("Berlin")
2005 Rokitno (PL) Jüterbog / Luckenwalde
2006 Spreewald (Kahnfahrt) Bus: 1 Woche Oberlausitz
2007 Hornow / Döbern (Niederlausitz) Himmelpfort / Ravensbrück
2008 1 Woche Würzburg Beeskow / Neuzelle
2009 Meißen Stadt Brandenburg
2010 Magdeburg Ziesar / Bad Belzig

Dabei hat sich das 200 km entfernte Güstrow, kurz vor Rostock gelegen, als guter Griff erwiesen. Auch das sonnige Wetter hielt und die Reisebetreuung war lückenlos, denn bereits im Bus von „Uwes Busreisen“ begleitete uns eine Reiseführerin, die uns auf Sehenswürdigkeiten an der Strecke aufmerksam machte. In Güstrow wurde wir von zwei “Stadtbilderklärern“ in Empfang genommen und in zwei Gruppen durch Güstrow geführt. Die nicht so wandertüchtigen wird es gefreut haben: Güstrow ist nur eine Kleinstadt und Berge wie in Meißen gab es nicht - nur auf Autos und Treppen war zu achten.
Güstrows Stadtgeschichte hat zwei Höhepunkte - einen im Mittelalter, als der Ort Residenzstadt der Herzöge von Mecklenburg-Güstrow wurde und dann wieder in der Neuzeit, als 1909 der Künstler Ernst Barlach hier seinen Wohnsitz nahm - auch wegen des südländischen Flairs der Stadt.

Schloss Güstrow (oben und rechts)
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rechts im Bild: Sockel des Denkmals "Befreiungskriege 1813-15"
Schloss Güstrow (oben und rechts)
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rechts im Bild: Sockel des Denkmals "Befreiungskriege 1813-15"
Der "Schwebende" in einer der beiden Nachkriegs-Kopien
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Im HG: Dom zu Güstrow
Der "Schwebende" in einer der drei Nachkriegs-Kopien
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Im HG: Dom zu Güstrow
Das Rathaus mit angebauter Stadtkirche St. Marien
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Die Gertrudenkapelle
Das Rathaus mit angebauter Stadtkirche St. Marien
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Die Gertrudenkapelle
Die Gertrudenkapelle innen
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Die katholische Kirche "Maria Himmelfahrt"
Die Gertrudenkapelle innen
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Die katholische Kirche "Maria Himmelfahrt"
Die kath. Kirche von innen
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Die Begrüßung durch Schwester Hiltrudis
Die kath. Kirche von innen
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Die Begrüßung durch Schwester Hiltrudis

Dieses verdanken wir dem mecklenburgischen Herzog Ullrich III. Er und mehr noch seine dänische Frau haben sich nach 1550 in Güstrow ihr Residenzschloss und den Schlossgarten im Stile der Renaissance erbauen lassen. Bis dahin gab es, als ältestes erhaltenes Gebäude der Stadt, nur die Heilig-Geist-Kirche, heute ein Museum für Weihnachtskrippen - und den Dom. Mit dem Schloss gelang den Architekten Parr und Brandin ein italienisch anmutender Bau, aus Ziegeln errichtet und dann sandsteinartig verputzt. Als Hofkirche wählte sich die protestantische Herzogin 1568 den damals fast neuen backsteingotischen Dom. Dorthin gelangte der Hofstaat durch einen überdachten Gang zwischen Schloss und Dom, den es heute aber nicht mehr gibt. Gestiftet ist der „Dom“ allerdings als „Kollegiatskirche“, und das schon 1226 vom slawischen Fürsten Heinrich Borwin II. Die Bürgerschaft Güstrows baute sich aber eine eigene Pfarrkirche St. Marien im Stadtzentrum und gleich dahinter ihr Rathaus.
Noch einmal kam Glanz in Güstrow auf, als Wallenstein, der Feldherr des katholischen Lagers in 30-jährigen Krieg, 1628/29 als neuer Herzog von Mecklenburg das Schloss zu seiner Residenz machte. Seine Ermordung 1630 in Eger machte Güstrow zur Provinzstadt: Es folgten Landesteilungen, neue Residenzen wurden errichtet und die Herzöge hielten woanders Hof.

Wieder Weltgeschichte schrieb Güstrow im kalten Dezember 1981, als der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker hier den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, einen Barlach-Bewunderer, traf. Allerdings hatte das MfS aus dem umjubelten Empfang von Willi Brandt in Erfurt "gelernt" und Güstrow in eine Geisterstadt verwandelt. Schmidt durfte zwar die Orgel des Domes spielen, wurde aber von den ausgesuchten „Einwohnern“ eisig empfangen. Helmut Schmidt, der um diesen Spuk wusste, blieb bis heute einer der bedeutendsten Sponsoren von Bau- und Kunstprojekten in Güstrow.

Der heutige Ruf der Stadt, seit 2006 deshalb Barlachstadt Güstrow genannt, ist eng verbunden mit dem Künstler Ernst Barlach (1870-1938). Barlach und Güstrow - das war ein Verhältnis wie Heinrich Böll zu seiner Heimatstadt Köln. Beide Städte verstanden ihre Künstler zu Lebzeiten nie richtig, aber die Honoratioren fühlten sich höchst geehrt, wenn ihre Künstler auswärts Ruhm erwarben - sie ließen sie aber auch im Stich, wenn der Zeitgeist oder die Staatsmacht sie verdammten. Hinterher waren alle stets von "ihrem" Künstler überzeugt gewesen …
Als die Nazis auch Werke Barlachs auf die Liste „entarteter Kunst“ setzten, wurde 1937 der erst 10 Jahre zuvor im Dom angebrachte „Schwebende“, sein berühmtestes Werk wieder abgehängt. Wohl auch deshalb hat sich der ein Jahr später verstorbene Barlach nicht in Güstrow, sondern in Ratzeburg beisetzen lassen. Dass der „Schwebende“ heute wieder im Dom hängt, ist mutigen Freunden zu verdanken, die vor dem Einschmelzen (1944) noch heimlich Gipsformen abnahmen, aus denen nach dem Krieg drei Abgüsse des Originals gelangen.

Nach dem Essen im „Hotel Stadt Güstrow“ und einem Stadtbummel setzten wir die Besichtigung in der Gertruden-Kapelle fort, die 1953 zu einer Barlach-Gedenkstätte hergerichtet wurde. Darin sind eine Anzahl seiner Werke, hauptsächlich Holzplastiken, ausgestellt. Im umgebenden ehemaligen Friedhofsgelände stehen auch einige Skulpturen von DDR-Bildhauern. Dieser Bezug war gewollt, denn die DDR sah sich gern in Barlachs künstlerischer Traditionslinie.

Danach wurden wir überaus herzlich begrüßt in der katholischen Kirche „Mariä Himmelfahrt“, darunter auch von einer Marienschwester (von den Missionsschwestern vom Hl. Namen Mariens aus Nette/Osnabrück), die aus Berlin-Biesdorf nach Güstrow kam, und der Organistin, die uns die Kirche zeigte.
So schön die 1929 geweihte Kirche auch aussieht: In ihrer ungedämmten Bauweise dürfte sie im Winter einen ähnlichen Heizbedarf wie unsere Piuskirche haben. Im neuen Gemeindehaus nebenan wurden wir reichlich mit Kaffee versorgt, den selbstgebackenen Kuchen hatten wir aus Berlin mitgebracht.
Es herrschte gute Stimmung, als sich die 43 Teilnehmer wieder auf den Weg nach Berlin machten.

Reinfried Mooz - webmaster

Weiterführende Links:

http://www.guestrow.de/
http://www.guestrow-tourismus.de/
http://www.ernst-barlach-stiftung.de/
http://www.katholische-kirche-guestrow.de/


 

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