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Bus-Fahrt nach Leipzig am Mittwoch, 24. Mai 2012

Kurz nach 8 Uhr konnte der Reisebus des "Reisebüro Belitz" mit 39 Teilnehmern und dem Reiseführer losfahren: Viele waren dafür früh aufgestanden, um an der 7.15-Uhr-Messe in St. Antonius teilzunehmen oder erst anzureisen. Ein sonniger und (im Freien) heißer Tag erwartete uns ...

Schon bei der Fahrt durch die Berliner City gab es eine Stadtführung: Über Ostbahnhof, Schlossplatz und Brandenburger Tor fuhren wir durch den Tiergarten an der "Goldelse" vorbei, ehe wir am Funkturm auf die Autobahn gelangten. Am Flughafen Leipzig waren natürlich einige Bemerkungen zur aktuellen Berliner Airport-Blamage fällig. Man scheint in Leipzig vieles richtiger gemacht zu haben in Sachen Standortpolitik nach der Wende. Der Neubau des Flughafens und die Verlegung der alten Messe an den Stadtrand, aber auch die erfolgreiche Ansiedlung von Industriebetrieben (BMW, Porsche) sprechen für sich.

Unsere Gruppe vor dem Völkerschlachtdenkmal - weitere Fotos unten

Wer, so wie die Leipziger, stets auf Selbstständigkeit bedacht war, der musste gedanklich schneller als die Mächtigeren sein. So findet man in Leipzig weder ein Residenzschloss noch einen Dom - man hatte also weder weltliche noch geistliche Herrschaft vor der Nase. In dieser Beziehung ist die Stadt weniger mit dem nahen Dresden, Magdeburg oder Berlin als viel mehr mit der Stadt Frankfurt am Main vergleichbar: Auch sie ist eine Handelsstadt mit Messe-Tradition, eine Buch- und Verlagsstadt (Buchmesse, Deutsche Bücherei) und sie hat eine alte Universität. Beide Städte waren vielleicht gerade dadurch in politischen Umbruchszeiten anderen voraus: Frankfurt 1848 mit der ersten deutschen Verfassung in der Paulskirche und Leipzig 1989 mit den Montagsgebeten in der Nikolaikirche ...
Musikkenner werden bei Leipzig an Richard Wagner, J. S. Bach, F. Mendelssohn-Bartholdy, Robert und Clara Schumann denken - das Gewandhaus ist baulicher Ausdruck der städtisch geprägten großen Musiktradition in Leipzig. Zu dieser gehören natürlich die Thomaskirche mit ihrem Thomanerchor, dessen berühmtester Kantor J. S. Bach war, und das Opernhaus, mit das älteste bürgerliche Opernhaus in Europa.
Aber auch Schriftsteller, wie Goethe (Auerbachs Keller) und Schiller (das "Lied an die Freude" entstand hier) studierten oder lebten zeitweise in Leipzig, neben Lessing, Gellert, Klopststock und Gottsched. Sogar der Namensgeber der Schrebergärten kam aus Leipzig, denn nirgendwo gab es so viele Kleingärten wie in und um Leipzig. Für ein positives Image sorgen heute auch erfolgreiche und bekannte Fernsehproduktionen des MDR, wie die über den Zoo, die großen Kliniken der Stadt und die neuen Seenlandschaften, die aus gefluteten Braunkohletagebauen herauswachsen und den Makel ausgleichen, dass Leipzig immer ein großer Fluss fehlte. Die Stadt hat heute 500.000 Einwohner.

Vieles davon erfuhren wir auf den Stadtrundfahrt mit unserem Bus (s. Fotos). Eingestreut waren Ausstiege und Führungen am Völkerschlachtdenkmal und an der Russischen Gedächtniskirche. Die Ereignisse des Oktober 1813 werden hier als bekannt vorausgesetzt - sie machten Leipzig damals weltweit bekannt.
Ein etwas längerer Fußweg war in der Innenstadt eingeplant: Er begann am zentralen Platz Leipzigs, dem Augustusplatz (mit Mendebrunnen, Opernhaus, Cityhochaus, Universität), führte dann zur und in die Nikolaikirche und dann weiter an der "Alten Nikolaischule" vorbei und entlang der Reichstraße zum Hauptbahnhof, einem der größten Kopfbahnhöfe in Europa. Er sieht innen heute mehr wie ein Kaufhaus als ein Bahnhof aus, aber ist noch einer und er hat noch seine früheren 26 Bahnsteige! Davon waren mal 13 der sächsischen und 13 der preußischen Bahn unterstellt - diese Teilung traf auch auf die beiden monumentalen Eingangshallen zu.

Unser eigentliches Ziel war aber die katholische Propsteikirche St. Trinitatis, wo wir in den Gemeinderäumen unsere mitgebrachten Kuchen zum "Kaffeetrinken" auftischen konnten. In der Kirche erzählte uns Propst Vierhock anschaulich über die unendliche Geschichte, die mit Bombentreffern 1943 auf die alten Kirche in der Innenstadt begann: Den Leipziger Katholiken wurde in der DDR-Zeit fast 40 Jahre (!) ein Neubau verweigert. Sie kamen als Gäste unter in mehreren evangelischen Kirchen Leipzigs - am längsten in der Universitätskirche, die ihrerseits 1968 dem Universitätshochhaus weichen musste. Deswegen bekam der Leipziger Walter Ulbricht neben dem studentischen Protest auch viel Ärger mit den Katholiken. Der dann endlich zehn Jahre später gewährte Neubau sollte nach dem Vorsatz der DDR-Machthaber möglichst hässlich (Industriearchtektur), teuer (viel Beton und Eisen) und entlegen sein. Was 1982 bei der Einweihung der (vom Westen bezahlten) Kirche keiner ahnte: Auch das Gutachten zum Baugrund war falsch, so dass nach 30 Jahren schon wieder abgerissen werden muss. Die neue Propsteikirche gibt es schon im Modell und sie wird wieder in zentraler Lage in der City am Roßplatz errichtet, das ist allerdings nicht der alte Standort der Trinitatis-Kirche. Der Umzug ist jedenfalls fest eingeplant, es gibt landesweite Kollekten dafür und alle freuen sich. Man hat es verdient, denn auch alle Zahlen sprechen für diese Gemeinde: Taufen, Hochzeiten, Jugendarbeit und viele andere Aktivitäten.

Das Mittagessen wurde im nahen Landsberg am Abend nachgeholt. Es ging schnell, die Klöße schmeckten und bald waren wir auch wieder auf der Autobahn. Mit Singen aus Liederbüchern und einem Ausblick auf die Baustelle BER in Schönefeld waren wir nach 19 Uhr wieder zurück in 10243 Berlin.

Danke für die umsichtige Planung und den perfekten Ablauf dieses erlebnisreichen Tages!

Reinfried Mooz - webmaster

Weiterführende Links:
www.leipzig.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Leipzig
http://propstei-leipzig.de/cms/

Das Schlösschen in Gohlis
Das Bundesverwaltungsgericht, das frühere Reichgericht
Die deutsche Bücherei (vorn: neuere Anbauten)
Der Bayerische Bahnhof mit der Baustelle des Citytunnels
Das neue Rathaus auf dem Grund der historischen Pleißenburg
Das Krochhochhaus und das Opernhaus
Am Augustusplatz: Das Gewandhaus - davor der Mendebrunnen
Am Augustusplatz: Links stand bis 1969 die Universitätskirche
In der Nikolaikirche
Die alte Nikolaischule - die Schule zur Nikolaikirche
Im neuen Hauptbahnhof
Die russische Gedächntniskirche
Tafel an der russischen Gedächtniskirche
Ikonenwand in der russischen Gedächtniskirche
Kaffeetafel in Räumen der kath. Propsteikirche St. Trinitatis
Propst Vierhock in der "alten" kirche. Hinten das Modell der "Neuen".
Die eiserne Altarwand von J. Kühn. Sie passt nicht in die neue Kirche.
Unser Bus vor dem "Goldenen Löwen in Landsberg


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