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Bus-Fahrt nach Torgau am 6.5. 2015

Nach Waren, Ludwigslust und Güstrow war wieder ein Ziel im Süden gesucht. Leider war die Landes-Austellung 'Sachsen-Preußen' im Schloss Doberlug-Kichhain schon zu Ende. Aber mit dem nahen Torgau fand man ein mehr als ebenbürtiges Reiseziel: Ein viel größeres Schloss und eine sehenswerte Stadt, die zudem in die Weltgeschichte einging...

Der Tag begann früh mit der "Reisemesse" um 7.15 Uhr in der Antoniuskirche. Da standen die vom Stadtrand kommenden noch im Autostau - denn es war wieder mal Streik bei der Bahn. Gut, das der Bus erst 8 Uhr losfuhr und wir einen Bus (mit Reiseführerin) gebucht hatten und auf der Autobahn nach Dresden gut vorankamen!

Erstes Tagesziel war Saxdorf mit seiner Backsteinkirche von 1230, die noch Teile der mittelalterlichen Ausstattung (Flügelaltar, Taufbrunnen) und Wandfresken bewahrte. Der ev. Pfarrer Karl-Heinrich Zahn kam 1967 aus Halle hierher, später auch sein Künstlerfreund Hanspeter Bethke. Der suchte für den elterlichen privaten botanischen Garten einen neuen Standort - und fand ihn auf dem Kirchengrundstück. Pflanzen aus aller Welt, darunter botanische und gärtnerische Raritäten, gedeihen hier prächtig und erreichen unglaubliche Höhen und Blütenreichtum. Die Gartenbesitzer unter uns waren beeindruckt. "Geh aus mein Herz und suche Freud ..." - dieses gemeinsam in der Dorfkirche gesungene Lied passt genau hierher.
Leider ist Saxdorf bei Bad Liebenwerda zu entlegen und nur mit Auto zu erreichen. Um den Weiterbestand des Pfarrgartens muss man sich deshalb und auch aus Alters- und Kostengründen durchaus Sorgen machen ...

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Die ev. Dorfkirche von Saxdorf (Gartenseite)
 
Der historische Flügelaltar in der Kirche
 
Das Pfarrhaus von Saxdorf im Blütenschmuck
 
Im "Alten Elbehof"

Das Mittagessen wurde im 'Alten Elbehof' gegenüber von Torgau eingenommen, wo auch das im Mittelalter weithin bekannte 'Torgisch Bier' heute noch gebraut wird.

In Torgau an der Elbe wartete auf uns eine Stadtführung. Sie führte uns in zwei Gruppen durch das Stadtzentrum, hinauf zum Renaissanceschloß Hartenfels und zur Elbe hinunter zum Sowjetischen Ehrenmal, das an die historische Begegnung der Roten Armee mit den amerikanischen Truppen am 25.4. 1945 erinnert. Auf der Rückseite gibt es kleine Tafeln mit der deutschen und englischen Übersetzung des von Stalin inspirierten russischen Textes der Vorderseite.

Torgau, zwischen Wittenberg und Meißen gelegen, ist über 1000 Jahre alt und verdankt seinen Aufstieg der Ellbefurt und den Porphyrfelsen daneben, auf dem bald nach der christlichen Missionierung eine Burg errichtet wurde. In deren Schutz entwickelte sich schnell städtisches Leben und im Kreuzungsbereich alter Handelswege blieb viel Geld in der Stadt, das auch baulich angelegt wurde. So wird Torgau mit Recht als 'Stadt der Renaissance' bezeichnet, was sich keineswegs nur auf das Schloßareal bezieht. Das Schloß ist gerade frisch herausgeputzt für die Nationale Sonderausstellung "Luther und die Fürsten", zu deren Eröffnung am 15. Mai 2015 viel Prominenz erwartet wird.
Martin Luther selbst hielt sich nach 1517 oft in Torgau auf, weil er im sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich einen Freund und Gönner hatte. Seine Frau Katharina (geb. von Bora) starb hier. Die rege Bautätigkeit und auch die politische Bedeutung Torgaus endete 1547 mit der verlorenen Schlacht im nahen Mühlberg, wo die kaiserlich-katholische Seite siegte und die Kurwürde an die albertinische Linie in Dresden fiel. Das ehemalige kurfürstliche 'Wohnschloß Hartenfels' in Torgau wurde aber baulich vollendet und weiterhin gern vom sächsischen Hof in Dresden genutzt.
Der 30jährige Krieg, die Pest, der Krieg mit Preußen (1760) und die geringe Industrialisierung nach 1815 verhinderten die 'Modernisierung' der Bausubstanz und bewahrte uns das alte Stadtbild im Stadtinneren. Der Ausbau zur Festung vor und nach der napoleonischen Zeit veränderte vor allem das Aussehen an den Außengrenzen der Stadt. Torgau blieb lange eine Festungs-und Beamtenstadt. Seit der 1000-Jahr-Feier 1973 begann die DDR, dem baulichen Verfall zu begegnen. Mit der Wende 1990 kam auch wieder Farbe an die Fasssaden, so dass die Fotografen ihre Freude hatten. Ein Merkmal hat man mit Berlin gemeinsam: Ein historisches Bärengehege (im Wallgraben am Schloss). Mehr zur Stadt- und Baugeschichte entnehme man den Bildunterschriften.
Der Abschluss des Tages war in der Torgauer katholischen Kirche "Schmerzhafte Mutter" am Stadtrand. Das Gebäude wurde 1906 als Ersatz für die abgebrannte innerstädtische Kirche errichtet, wie wir von der Pfarrsekretärin erfuhren. Man gehört hier zum Bistum Magdeburg. Im Gemeindehaus nebenan wurde der aus Berlin mitgebrachte selbdtgebackene Kuchen aufgetischt, Kaffee gekocht und alle wären gern hier noch länger verweilt. Aber nach dem obligatorischen Gruppenfoto neben der Kirche erforderten die 'Lenkzeiten' den Aufbruch. Um 19 Uhr waren alle 36 Teilnehmer wieder zurück.

Die Reiseziele, die Jahreszeit, das schöne Wetter und die gute Reiseplanung - alles passte. Großen Dank an die Organisatoren und Mitwirkenden!

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Mit unserer Stadtführerin, Fr. Baier, auf dem Marktplatz vorm Rathaus
 
Bildmitte: Das Rathaus am Markt
 
Der Schlosszugang über den Wallgraben
 
Das Wappenportal
 
Im Schlosshof: Mittig die berühmte Wendeltreppe
 
Der linke 'Wohnflügel" mit dem 1. neu gebauten ev.Gottesdienstraum nach 1517
 
Durchgang hinunter zur Elbe
 
Das sowjetische Ehrenmal a. d. Elbe - Ort der Begegnung mit US-Truppen April 1945
 
Schlossansicht
 
Die kath. Kirche in Torgau - Eingangsbereich
. Gruppenfoto an der kath. Kirche (ohne Fotograf)

Reinfried Mooz - webmaster

Empfohlen:
www.saxdorf.de
www.elbehof-torgau.de/
www.torgau.eu/
www.katholische-kirche-torgau.de/
/www.tic-torgau.de/content/katholische-kirche.html
sowie die Broschüre "Die Altststadt Torgau", verfasst von Anita Baier (unsere Stadtführerin)


 


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