Eigenes Fenster !
X  dieses Fenster schliessen

PKW-Fahrt nach Alexanderdorf und Bad Saarow am 14.9. 2013

31 Teilnehmer hatten sich zur "Reisemesse" um 9 Uhr in St. Antonius eingefunden und freuten sich auf Sonnenschein und eine relativ kurze Wegstrecke von nur 60 km. Irgendwo hinter Schönefeld ...

Die katholischen Heime in Alt-Buchhorst, Zinnowitz und Bad Saarow kennt fast jeder - aber wo liegt das Kloster Alexanderdorf? Nicht einmal mein ganz neues Garmin-Navigationsgerät wusste es, bis es dann die PLZ erfuhr. 100 Jahre war die Gegend um Wünsdorf-Sperenberg ein "weißer Fleck" auf Landkarten, weil sich dort ein kaiserlicher Schießplatz und dann die Oberkommandos der Wehrmacht und der Roten Armee befanden. Ein Kloster am Waldrand, gar eines mit Nonnen, stellte eine perfekte Tarnung fürs Militär dahinter dar. Deswegen gab es mit dem kaum Probleme, mit der braunen und roten Staatsmacht aber schon.

Wegweiser
Schwester Johanna vor dem Eingangsportal
Eine Runde auf der Wiese im Innenhof
Der Glockenturm
Die früheren Stallungen - heute das Gästehaus
Die Klosterkirche in der alten Scheune - beim Gebet der Sext um 12.15 Uhr

Die sehr ungewöhnliche Geschichte der Klostergründung an diesem entlegenen Ort erfuhren wir von Schwester Johanna. Hier die Kurzform von der Homepage des Klosters:

1919 Gründung einer Gemeinschaft von Krankenschwestern mit dem besonderen Ziel, neben der Berufstätigkeit die Liturgie der Kirche - Eucharistie und Stundengebet - gemeinsam zu feiern, nach Pater Eugène Vandeurs OSB (1875 – 1967, Mönch der Benediktiner-Abtei Maredsous in Belgien. Im 1. Weltkrieg hatte er katholische Hilfsschwestern im Lazarettdienst geistlich betreut und die Idee von “neuen Benediktinerinnen” entwickelt, die auf eine neue Art den Gläubigen, besonders Frauen, an Liturgie und Bildung Anteil geben sollten.
1924 Anerkennung als St. Hildegard-Schwesternschaft. In den folgenden Jahren allmähliche Einführung des klösterlichen Stundengebetes und bewußte Ausrichtung des Gemeinschaftslebens an der Regel Benedikts mit Unterstützung verschiedener Benediktinerklöster.
1934 Nach Aufgabe der Krankenhäuser in Berlin (St. Hildegard in Charlottenburg und Maria Heimsuchung in Pankow) Gründung des Klosters St. Gertrud in Alexanderdorf.
1949 Erste kirchlich anerkannte Ewige Profeß von 22 Schwestern in Alexanderdorf. Das Priorat hat nun den Status eines benediktinischen Nonnenklosters.
1979 Aufgabe der Landwirtschaft zugunsten der nun einsetzenden Bauarbeiten. Vollendung des Ausbau des Alexanderhofes zu einem Kloster eigener Prägung. Vorhandene Gebäude und Stallungen werden zu Kapelle, Wohn-und Arbeitsräumen sowie einem Gästehaus umgebaut. Beginn der Ausbauarbeiten der Scheune zur Kirche und Renovierung der Klausurgebäude.
1984 Errichtung des Klosters zur Abtei.

Diese glatte Auflistung täuscht: Damals lösten selbstbewusstes Auftreten berufstätiger Frauen und die geistliche Ausrichtung von Krankenschwestern keineswegs Begeisterung in der Ärzteschaft, der Kirche und bei den Krankenhausträgern aus. Schließlich kam es deswegen sogar zur Aufgabe der Krankenpflege und zum Erwerb des heruntergekommenen Gutshofs j.w.d. Das war ein berufliches und mehr noch ein wirtschaftliches Wagnis und schon 1935 stand das Kloster deshalb wieder vor der Auflösung. Mit schwerer körperlicher Arbeit in der Landwirtschaft und auch auswärts im alten Schwesternberuf sicherte man sich mühsam die Existenz. Die Kriegszeit und das Kriegsende gingen glimpflich für die Schwesternschaft aus, aber die Not kehrte zunächst zurück. Mit dem zahlreichen sowjetischen Militär und den wenigen Dörflern kam man dann gut aus. Die Erfolgsgeschichte des Klosters in der anschließenden DDR-Zeit war so nicht vorhersehbar und ist überaus authentisch in einer Klosterbroschüre beschrieben.

Heute stellt der frühere Gutshof ein schmuckes Anwesen dar, das innen modern ausgestattet ist und mit seinem Klosterleben, aber auch den geistlichen Angeboten immer interessierte Tages- und Wochengäste anzieht und den Vergleich mit namhafteren katholischen Häusern im Bistum aufnehmen kann. Die Gebäudeanordnung und die Scheunen-Kirche lassen noch erkennen, wie armselig man anfing. Geblieben ist die Abgeschiedenheit: Von den Bahnhöfen Zossen oder Trebbin braucht man ein Taxi oder Fahrrad.

Beinahe wäre es 1993 ganz anders gekommen: Damals war Sperenberg erster Kandidat für den neuen Flughafen BER ... Wie wir wissen, entschied man anders. So blieb auch der "Kummersdorfer Krug", in den wir nach der Teilnahme am Mittagsgebet der Schwestern dann einkehrten, ein kleiner Dorfgasthof mit bezahlbarem gutem Essen.

Gefühlt sehr weit war es dann doch bis zur Kaffeetafel in Bad Saarow, wo wir im Caritasheim von Herrn Dr. Krebs erwartet wurden. Wir hörten, was das Haus in den 20er und 80er Jahren mal war (und wie es die meisten von uns in Erinnerung hatten) und was alles seitdem an moderner Ausstattung, Baulichkeiten und Aufgaben hinzugekommen ist. Man ist heute auch eine weltlich offene Bildungseinrichtung des Landes Brandenburg. Ironie der Geschichte: Wegen der Differenzen mit dem Berliner Caritasverband zogen die Schwestern 1934 nach Alexanderdorf - und heute wirbt man um die gleiche Zielgruppe (katholische bildungsbewusste Familien). Wer es städtischer liebt, gut erreichbar sein muss und auch mancherlei weltliche Abwechslung (Therme, Theater, gehobene Gastronomie) braucht, der ist in Bad Saarow richtig. Auch für Familien mit kleinen Kindern (ein toller Spielplatz!) ist das Caritasheim besser ausgerüstet. Alexanderdorf bietet hingegen das stille Kontrastprogramm und ein echtes Kloster.

So war der Ausflug durchgängig auch eine hochinteressante Reise in die Bistumsgeschichte. Das Gruppenfoto in Bad Saarow zeigt jedenfalls allseits zufriedene Gesichter.

Dank den Organisatoren für die Auswahl der Ziele, die glückliche Hand mit den Referenten und das gelungene Timing!

Weiterführende Links:

Reinfried Mooz - webmaster

Caritasheim Bad Saarow - Straßenseite
Begrüßung durch Dr. Krebs
Caritasheim Bad Saarow - Seeseite
Wir sind eingeplant ...

 
Gruppenbild in Bad Saarow (ohne den Autor)
 

 

Eigenes Fenster !