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PKW-Fahrt nach Neuruppin und Lindow am 13.9. 2014

19 Teilnehmer hatten sich zur "Reisemesse" um 9 Uhr in St. Antonius eingefunden und hofften auf Sonne wie in den Vorjahren, aber immerhin kamen wir dann ohne Regenschirm und Wetterjacke aus.

Die erste Station in der 'Fontanestadt Neuruppin' war schnell erreicht: Die katholische Kirche 'Herz Jesu'. Mit 1.300 Katholiken ist sie für eine Gemeinde in tiefer Diaspora stattlich groß und das ist auch ihr Einzugsgebiet. Es erstreckt sich über fast 60 km von der mecklenburgischen Grenze im Norden (Zechlin) bis kurz vor Nauen im Süden. Die Gemeinde in Fehrbellin gehört seit 2004 dazu, wo auch die 2. Gottesdienststätte ist. In Lindow ist eigentlich die dritte ... Pfarrer Brummet, der leider auswärts Termine hatte, hält aber weit darüber hinaus Gottesdienste, so auch in Rheinsberg und Kremmen.
1882 war die Grundsteinlegung der heutigen Kirche im neugotischen Stil. Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche ist längst erneuert, nur noch die Kreuzwegbilder und der Taufstein blieben erhalten. Der Kirchturm mit nur noch einer Glocke ist 34 m hoch. Zum 150. Geburtstag der Gemeinde (1849 – 1999) schuf sich die Gemeinde nebenan in einem großen Garten eine Begegnungsstätte, den „Wichmann-Saal“.

Aber bald erwartete uns das Mittagessen in der "Wichmannslinde" am Ruppiner See. Das war eine gute Wahl, denn es ging schnell, schmeckte gut und die Ausssicht auf den See war vortrefflich. Hier erwartete uns auch ein Herr im Gehrock, in der Kleidung zu den Zeiten von Fontane und Schinkel , die die beiden berühmtesten Söhne der Stadt sind. Deren Beziehung zu Beiden ist speziell: Fontane (*1819) war (das nach dem verheerenden Stadtbrand von 1787 neuaufgebaute frühklassizistische und ganz regelmäßig angelegte) Neuruppin zu langweilig und Schinkel (*1781) hinterließ in ganz Preußen berühmte Bauwerke - nur nicht hier. Wir kamen am Geburtshaus beider vorbei, erfuhren von den 'Neuruppiner Bilderbögen von Gustav Kühn' und verweilten auch an den großen Plätze mit Denkmälern (Friedrich Wilhem II. und Schinkel).

In Neuruppin stehen nur noch am Stadtrand Bauten der Gründungsjahre der Stadt, die auf ein Kloster der Dominikaner um 1246 unter dem ersten Pior Wichmann von Arnstein zurückgeht. Die riesige Klosterkiche (mit den zwei um 1900 hochgemauerten Türmen), Reste der Stadtmauer zum See und die kleine Lazaruskapelle mit dem Siechenhospital stammen aus den Zeiten vor 1787. Jahrhunderte war die Stadt Garnisonsstadt und erst vom preußischen und zuletzt vom sowjetischen Militär geprägt, das mit seinem nahen Armeeflugplatz zudem unüberhörbar war.
Diese Stadtführung war überaus kurzweilig und wir überzogen die Zeit gehörig, obwohl die Stadt eher "klein" ist.

Eine Stunde Verspätung kann einen Einsiedler nicht erschüttern... Pater Jürgen Knob hat in der denkmalgeschützten St. Josephs-Kirche von Lindow seit kurzem seine Klause 'St. Bernhard' und erwartete uns geduldig. Ein Mönch ohne Kloster - so beschreibt er seinen Status und sein Wirken. Er kann anknüpfen an die Tradition des Lindower Zisterzienserinnenklosters, das es bis 1540 gab. Aus der DDR-Zeit wird sich mache(r) noch an RKWs in der Lindower Kirche erinnern, wo man sogar über der Kirche wohnte.

Viel Gebet, die Sonntagsmesse in der Kirche und Exerzitien wie auch die Sorge um den Bau und das Grundstück prägen sein Wirken. Daraus ergibt sich, dass ein Handy, Auto und viele Bücher dazu gehören, er aber ansonsten eine Existenz nahe "Hartz IV" fristet, wie er selbst sagt.

Dennoch hat ihn sicher schon manche Besucher mit seiner jungen, sympathischen und gebildeten Art gern "abwerben" wollen in seine Pfarrei - kann ich mir vorstellen. Der umgekehrte Weg dürfte selten sein, würde ihn aber freuen.

Am letzten Programmpunkt, dem Kaffeetrinken im "Waldhof", war unsere Verspätung auf 90 Minuten angewachsen - was keinen Gastwirt freut. Dennoch bekamen wir in einem Aussenpavillion noch das Bestellte und hier wurde auch das Gruppenfoto gemacht. Wir warfen noch einen Blick in die frühere Kapelle auf dem Gelände - heute eine Aussenstelle des Standesamtes von Lindow und waren überrascht, dass noch die gesamte Innausstattung samt Kreuz und christlichen Bildern verblieben ist.

Dann ging es auf die Rückreise ins 70 km entfernte Berlin.

Die kath. KIrche 'Herz Jesu' - Der Wichmann-Saal
Die Klosterkirche St. Trinitatis
Die St- Lazarus-Kapelle - heute Veranstaltungsraum
Die städtische Pfarrkirche St. Marien
Unser Stadtführer vor dem Schinkel-Denkmal
Der Eremit in "seiner" Kirche in Lindow
Fontanes Geburtshaus
2 Diener Gottes
Die Kirche in Lindow von außen
Das ist ein Standesamt!

 

Weiterführende Links:

Reinfried Mooz - webmaster

 

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